Hendrik Dombek 

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Ende vergangenen Jahres wurden in einer ARDDoku mutmaßliche Missstände in der Deutschen Eisschnelllauf‑ und Shorttrack‑Gemeinschaft (DESG) offengelegt: Vorwürfe von Misswirtschaft, intransparentem Führungsverhalten, Vertrauensverlust. Kurz darauf wird Olympiastarter Fridtjof Petzold für alle Wettkämpfe gesperrt und verliert seinen Bundeskaderstatus – weil er öffentlich Kritik geäußert hatte, die die DESG als Verbands-schädigend einstufte. Plötzlich steht ein Verband im Fokus, der lange vor allem intern mit sich selbst beschäftigt war. Genau in diesem Umfeld arbeitet Hendrik Dombek als Athletensprecher.  

„Eigentlich hat sich durch die öffentliche Debatte nichts an meiner Arbeit verändert“, sagt Hendrik, der von 2023 bis Juni 2026 das Amt des Athletensprechers bei der DESG übernommen hatte. Er versuchte weiterhin, konsequent die Themen der Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt zu stellen – unabhängig davon, was medial diskutiert werde. „Der größte Unterschied war, dass viel mehr Öffentlichkeit auf uns lag.“   

Gleichzeitig habe der 29-Jährige den Standpunkt der Athletenschaft auch nach außen weitergegeben. Viele Athletinnen und Athleten seien überzeugt, dass Kritik – ob angebracht oder nicht – niemals den Kaderstatus oder das Startrecht kosten dürfe. „Ein Verband muss das aushalten und gemeinsam mit uns Lösungen finden.“ Die Sperre habe die Stimmung spürbar verändert: Athletinnen und Athleten hätten gesehen, „wenn ich etwas zum falschen Zeitpunkt sage, muss ich Angst vor Konsequenzen haben“. Genau das dürfe nicht passieren. Kritik müsse möglich bleiben – intern wie extern. Als tägliche Reibung zwischen Athletensicht und Verbandslogik. Seine Grundeinstellung ist klar: Entscheidungen würden besser, wenn sie nicht nur erklärt, sondern gemeinsam mit Athletinnen und Athleten reflektiert würden.  

Diese Haltung prägt auch die anderen Rollen, die er parallel ausfüllt. Hendrik ist nicht nur aktiver Leistungssportler und Athletensprecher der DESG, sondern auch Präsidiumsmitglied bei Athleten Deutschland. „Ich versuche in jeder meiner Rollen, das Bestmögliche für die Athletinnen und Athleten herauszuholen“, sagt er. Gleichzeitig sieht er genau in dieser Vielschichtigkeit auch eine spannende Aufgabe: unterschiedliche Perspektiven, Zuständigkeiten und Erwartungen miteinander zu verbinden. „Besonders die Arbeit in der Athletenkommission des DOSB und meine Rolle im Aufsichtsrat der Sporthilfe bringen noch einmal neue Blickwinkel mit sich.“ Vor allem die Kontroll- und Aufsichtsfunktionen seien für ihn Neuland. „Da immer die richtige Perspektive einzunehmen, ist ein Lernprozess. Mir ist wichtig, diese Verantwortung kompetent und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl auszufüllen.“ 

Auf den ersten Blick wirkt die ARD-Doku wie ein Konflikt zwischen Athletinnen bzw. Athleten und Verband. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber noch mehr: Ein System, das nur funktioniert, wenn Kritik nicht sanktioniert, sondern gehört wird. Und genau hier sieht Hendrik eine Chance. „Das neue Sportfördergesetz ist für mich die historische Möglichkeit, Athletinnen und Athleten endlich wirklich mitzudenken – und mit ihnen zu sprechen, nicht über sie. Gute Verbandsführung bedeutet auch: Überprüfbare Vorgaben für Good Governance und Athleten-Beteiligung.“ Der laufende Prozess zeige, wie unterschiedlich Sport in Deutschland gesehen werde: von Verbänden, vom DOSB, von der Politik. „Aber genau deshalb ist es so wichtig, uns jetzt abzusichern – finanziell, strukturell, was Safe Sport und Good Governance angeht.“ Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus den vergangenen Monaten: Nicht die Frage, ob Athletinnen und Athleten reden dürfen, ist entscheidend. Sondern ob das System bereit ist zuzuhören und sie wirklich miteinbeziehen – bevor es wieder eskaliert.

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