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Ende letzten Jahres wurden in einer ARDDoku Missstände in der Deutschen Eisschnelllauf und ShorttrackGemeinschaft (DESG) offengelegt: Vorwürfe von Misswirtschaft, intransparentem Führungsverhalten, Vertrauensverlust. Kurz darauf wird Olympiastarter Fridtjof Petzold für alle Wettkämpfe gesperrt und verliert seinen Bundeskaderstatus – weil er öffentlich Kritik geäußert hatte. Plötzlich steht ein Verband im Fokus, der lange vor allem intern mit sich selbst beschäftigt war. Genau in diesem Umfeld arbeitet Hendrik Dombek als Athletensprecher.

„Eigentlich hat sich durch die öffentliche Debatte nichts an meiner Arbeit verändert“, sagt Hendrik, der 2023 das Amt des Athletensprechers bei der DESG übernommen hat. Er versuche weiterhin, konsequent die Themen der Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt zu stellen – unabhängig davon, was medial diskutiert werde. „Mir ist wichtig, die Themen nach vorne zu bringen, die die Athleten wirklich beschäftigen.“ Gleichzeitig unterstützte er Teamkollege Fridtjof eng, die beiden telefonierten viel, auch wegen dessen mentaler Belastung. Parallel dazu nahm Hendrik seine Aufgaben gegenüber dem Verband ganz normal wahr. „Der einzige Unterschied war, dass plötzlich viel mehr Öffentlichkeit auf uns lag.“ 

Gleichzeitig habe der 29-Jährige den Standpunkt der Athletenschaft auch nach außen weitergegeben. Viele Athletinnen und Athleten seien überzeugt, dass Kritik – ob angebracht oder nicht – niemals den Kaderstatus oder das Startrecht kosten dürfe. „Ein Verband muss das aushalten und gemeinsam Lösungen finden.“ Die Sperre habe die Stimmung spürbar verändert: Athletinnen und Athleten hätten gesehen, „wenn ich etwas zum falschen Zeitpunkt sage, muss ich Angst haben“. Genau das dürfe nicht passieren. Kritik müsse möglich bleiben – intern wie extern.

Hendrik spricht davon, dass ihn genau dieser Umgang mit Kritik immer wieder beschäftige. Nicht als abstrakte Frage, sondern als tägliche Reibung zwischen Athletensicht und Verbandslogik. Seine Grundeinstellung ist klar: Direktes Feedback ist kein Risiko, sondern ein Gewinn – für beide Seiten. Entscheidungen würden besser, wenn sie nicht nur erklärt, sondern gemeinsam mit Athletinnen und Athleten reflektiert würden.

Diese Haltung prägt auch die anderen Rollen, die er parallel ausfüllt. Hendrik ist nicht nur aktiver Leistungssportler und Athletensprecher der DESG, sondern auch Präsidiumsmitglied bei Athleten Deutschland. „Ich versuche in allen Posten für die Athleten das Bestmögliche rauszuholen“, sagt er. Gleichzeitig wird genau diese Vielschichtigkeit zur Herausforderung. Unterschiedliche Brillen, unterschiedliche Zuständigkeiten, unterschiedliche Erwartungen. „Was mir teilweise noch schwerfällt, ist die Arbeit in der Athletenkommission des DOSB, in deren Rolle ich auch im Aufsichtsrat der Sporthilfe sitze.“ Gerade die Kontroll und Aufsichtsfunktionen seien neu für ihn. „Da immer mit der richtigen Brille draufzuschauen, fällt mir manchmal noch schwer. Ich will das kompetent machen.“ 

In seiner Arbeit wird für ihn ein weiteres Spannungsfeld sichtbar. „Einerseits sollten Athletenvertreter aktive Sportler sein, weil man die Themen direkt erlebt.“ Andererseits sei man vom System abhängig. Besonders in institutionellen Rollen werde diese Spannung greifbar: Es gehe nicht nur um Vertretung, sondern auch um Kontrolle, Bewertung, Einordnung. Beides gleichzeitig richtig zu machen, sei Anspruch und Herausforderung zugleich.

Auf den ersten Blick wirkt die ARD-Doku wie ein Konflikt zwischen Athletinnen bzw. Athleten und Verband. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber noch mehr: Ein System, das nur funktioniert, wenn Kritik nicht sanktioniert, sondern gehört wird. Und genau hier sieht Hendrik eine Chance. „Das neue Sportfördergesetz ist für mich die historische Möglichkeit, Athleten endlich wirklich mitzudenken – und mit ihnen zu sprechen, nicht über sie.“ Der laufende Prozess zeige, wie unterschiedlich Sport in Deutschland gesehen werde: von Verbänden, vom DOSB, von der Politik. „Aber genau deshalb ist es so wichtig, Athleten jetzt abzusichern – finanziell, strukturell, was Safe Sport und Good Governance angeht.“ Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus den vergangenen Monaten: Nicht die Frage, ob Athleten reden dürfen, ist entscheidend. Sondern ob das System bereit ist zuzuhören – bevor es wieder eskaliert.